Praxisfälle

Drei Praxisfälle wurden unter besonderer Berücksichtigung von Schwerpunktthemen untersucht. Als Anschauungsbeispiele dienen uns dabei große Stadterweiterungsprojekte, die derzeit in Berlin, Hamburg und Frankfurt geplant werden. Neben der Auswertung von Pla-nungsunterlagen und Internetseiten führen die Teilnehmenden Interviews mit Planungsbeteiligten und anderen Expert:innen.

Methodik

Die Fallstudien zu Berlin Blankenburger Süden, Hamburg Oberbillwerder und Frankfurt Nordwest wurden jeweils in Dreiergruppen bearbeitet. Zunächst wurden mithilfe von Internet- und Dokumentenrecherche die wichtigsten Informationen zum Projekt (allgemeine Informationen, beteiligte Akteure sowie ein Zeitstrahl) herausgearbeitet. Anhand der Referate zu den Querschnittsthemen ließen sich bereits Knackpunkte oder interessante Aspekte mit Blick auf die Fallbeispiele identifizieren, welche im nächsten Schnitt zu Kernfragen für einen Interviewleitfaden formuliert wurden. Der Interviewleitfaden wurde anhand der Querschnittsthemen gegliedert und beinhaltete zu jedem Punkt verschiedene Fragen, die von ausgewählten Experten beantwortet werden sollten. Für die Experteninterviews wurden potenzielle Interviewpartner der jeweiligen Praxisfälle telefonisch oder per E-Mail kontaktiert und zu Interviews eingeladen. Die Interviews fanden pandemiebedingt über Zoom statt und wurden währenddessen protokolliert. Aus den Transkripten der Interviews ließen sich interessante Erkenntnisse gewinnen, projektübergreifende Schlussfolgerungen ziehen und anschließend informative Empfehlungen für Planer*innen ableiten.

Interviewleitfaden

| Effekte und Nebeneffekte von Beteiligung 

  1. Wie geht man damit um, wenn sich weniger oder mehr Bürger*innen als erwartet beteiligen?

  2. Wie haben Sie die Onlinebeteiligung eingegrenzt, damit sich nur doch die beteiligen, die relevant sind?

  3. Wie geht man mit dem Widerstand von Bürger*innen um? Unterscheidet man zwischen direkt Betroffenen und nicht direkt Betroffenen?

  4. Lassen sich durch digitale Beteiligungsverfahren dieselben Effekte wie durch analoge Beteiligungsverfahren erzielen?

  5. Wie kann der Planungsprozess transparent gestaltet werden?
     

| Beteiligungsmethoden digital und analog 

  1.  Inwieweit ändert die Art der Beteiligung (analog vs. digital) die Anzahl der Bürger*innen, die sich beteiligen?

  2. Erzielen digitale und analoge Beteiligung verschiedene Ergebnisse?

  3. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei digitalen Methoden? Würden Sie weiter mit digitalen Methoden arbeiten?

  4. Inwiefern können digitale Beteiligungsmethoden, analoge Verfahren ersetzten?

  5. Würden Sie eine reine analoge, eine reine digitale oder eine gemischte Beteiligung bevorzugen?

| Social Media – Chancen und Risiken 

  1. Werden durch eine Social Media Kampagne neue Personengruppen erreicht oder bleiben diese in ihren „Bubbles“?

  2. Vor allem Kinder und Jugendliche werden selten in Beteiligungsprozesse mit einbezogen. Sehen Sie die digitale Beteiligung durch bspw. Social Media hier als Chance auch jüngere Menschen zu erreichen?

  3. Von wem werden die Social Media Kampagnen und Channels gestaltet, moderiert und betreut?

  4. Welche Chancen und Risiken birgt der Social Media Auftritt bei Planungsprozessen?

  5. Durch zunehmende digitale Teilnahme entsteht die Gefahr durch das Verbreiten von Fake News und der Beeinflussung von Online-Umfragen durch gefälschte Accounts. Gibt es hier bereits Lösungsansätze?

  6. Wie wird Datenschutz gewährleistet?

| Digitale Beteiligungstools 
 

  1. Welche Tools haben Sie bereits im Rahmen der digitalen Beteiligung genutzt? Warum gerade diese Tools und welche Erfahrungen haben Sie bereits damit gesammelt?

  2. Nach welchen Kriterien werden die Beteiligungsmethoden gewählt?

  3. Welche Rolle spielt eine zentrale Anlaufstelle (Beteiligungsportal) in Beteiligungsverfahren?

  4. Wer ist konkret verantwortlich für die Anwendung und Betreuung digitaler Beteiligungstools? Extra geschultes, eigenes Personal oder externe Dienstleister*innen und inwieweit wurden die eigenen Mitarbeiter*innen auf die digitale Beteiligung vorbereitet?

  5. Welche Erfahrungen wurden bislang mit digitalen Beteiligungstools und/oder Beteiligungsportalen gemacht? Gab es Störungen (Stichwort „Bombing“)?

| Wie kann Beteiligung inklusiver gestaltet werden? 

  1. Wie kann digitale Beteiligung inklusiver gestaltet werden?

  2. Wie werden die Ergebnisse der Beteiligung gewertet, bzw. werden die Ergebnisse verschiedener Gruppen unterschiedlich gewertet?

  3. Gab es Schwierigkeiten Bürger*innen-Beteiligung möglichst inklusiv zu gestalten, aufgrund der pandemiebedingten, eingeschränkten Möglichkeiten analoge Verfahren stattfinden zu lassen?

  4. Was wünschen Sie sich für die Online-Partizipation für die Zukunft?

  5. War die Beteiligung gesetzlich verpflichtend oder freiwillig?

Berlin Blankenburger Süden

Der Blankenburger Süden ist ein großes Stadterweiterungsprojekt in Berlin. Im Bereich Pankow, zwischen Blankenburg und Heinersdorf ,soll bis 2030 ein circa 450 Hektar großes Stadtquartier entstehen. Auf dieser Fläche werden bis zu 6.000 Wohnungen, Schulen und Kitas entstehen. Darüber hinaus sind in der Planung ein circa 40 Hektar großes Gewerbegebiet sowie Grünflächen vorgesehen.

Hamburg Oberbillwerder

In Oberbillwerder im Bezirk Bergedorf wird in den 2020er Jahren der 105. Hamburger Stadtteil entstehen. Es wird hier ein Modellstandort geplant, in dem Sport, Bildung und Gesundheit eine zentrale Rolle spielen. Auf 124 Hektar sollen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur und Freizeit miteinander verbunden werden, Platz für 7.000 Wohneinheiten geschaffen werden und bis zu 5.000 Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus entstehen auf 28 Hektar Parks, Grünflächen, ein Schwimmbad und ein Aktivpark. Zudem soll der Stadtteil energieautark und mit innovativen Mobilitätskonzepten umgesetzt werden.

 

Frankfurt Nordwest

Das Projekt Frankfurt Nordwest dient dazu mehr Wohnraum für Bürger:innen zu schaffen. Außerdem werden neue Arbeitsplätze entstehen und der Stadtteil soll mit lebendigen Plätzen und ruhigen Grünflächen attraktiv gestaltet werden. Auch Schulen, Kindertagesstätten, Läden, Sport- und Freizeiteinrichtungen werden in diesem Quartier Lebenswert schaffen. Dieses Quartier soll für alle Personen- und Altersgruppen bewohnbar sein. Bis zu 12.000 Wohnungen für maximal 30.000 Bewohner:innen sollen hier entstehen.

Der Prozess fing im Dezember 2017 mit den Prüfungen zu den Voraussetzungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme an. Diese Prüfungen laufen bis heute und sollen voraussichtlich bis Ende 2021 ausgewertet sein. Feststeht, dass der Entwurf von cityförster architecture + urbanism (Hannover) mit Urbane Gestalt (Köln) mit dem Titel „Quartiere im Kreislauf“ zur Umsetzung empfohlen wurde.