Frankfurt Nordwest

Rahmendaten

Das Projekt Frankfurt Nordwest dient dazu, mehr Wohnraum für Bürger:innen zu schaffen. Außerdem werden neue Arbeitsplätze entstehen und der Stadtteil soll mit lebendigen Plätzen und ruhigen Grünflächen attraktiv gestaltet werden. Auch Schulen, Kindertagesstätten, Läden, Sport- und Freizeiteinrichtungen werden in diesem Quartier Lebenswert schaffen. Dieses Quartier soll für alle Personen- und Altersgruppen bewohnbar sein. Bis zu 12.000 Wohnungen für maximal 30.000 Bewohner:innen sollen hier entstehen.

Der Prozess fing im Dezember 2017 mit den Prüfungen zu den Voraussetzungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme an. Diese Prüfungen laufen bis heute und sollen voraussichtlich bis Ende 2021 ausgewertet sein.

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Feststeht, dass der Entwurf von cityförster architecture + urbanism (Hannover) mit Urbane Gestalt (Köln) mit dem Titel „Quartiere im Kreislauf“ zur Umsetzung empfohlen wurde.

Links für Interessierte: 

https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/frankfurt_nordwest_neuer_stadtteil_der_quartiere_18798.html

https://www.ffm.de/frankfurt/de/flexPrjList/53541

Projektgebiet Frankfurt Nordwest (eigene Darstellung) © Karte von Openstreetmap.org

Informationen zum Verfahren

Die Stadt Frankfurt am Main benötigt dringend weiteren Wohnraum. Folglich werden neue Quartiere für die Menschen gebaut, und zwar mit Arbeitsstellen, Plätzen und Grünflächen. Um dem Wohnungsmangel zu begegnen, werden Konversionsflächen in Wohnquartiere umgewidmet, so zum Beispiel ehemals gewerblich genutzte Flächen. Gleichzeitig werden innerhalb der Stadt Lücken bebaut und Gebäude aufgestockt. Doch dieser Innenentwicklung sind Grenzen gesetzt: Die Fläche Frankfurts ist begrenzt und die verbleibenden unbebauten Flächen unterliegen einer Vielzahl von Nutzungsbeschränkungen.

Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung beschließt 2017 zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Frankfurter Nordwesten gegeben sind. Es wurden „Vorbereitende Untersuchungen“ mit den Charakter einer Machbarkeitsstudie durchgeführt, in der auch die Wirtschaftlichkeit einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme geprüft wird.

Im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen werden sieben Planungsteams beauftragt, Studien zu Stadt und Landschaft zu erarbeiten. Nach Vorlage der Ergebnisse der sieben Studien wird beschlossen, dass der Entwurf „Quartiere im Kreislauf“ des Planungsteams CITYFÖRSTER architecture + urbanism(Hannover) mit Urbane Gestalt (Köln) zur Weiterarbeit verwendet werden soll.

Die Studie von Cityförster / Urbane Gestalt sieht vor, dass rund 8.600 Wohnungen entstehen. Die Wohnungen verteilen sich auf vier Quartiere mit vielfältigen Wohnformen. In den einzelnen autoarmen Quartieren sind sogenannte ‚Hubs‘ mit Mobilitätsangeboten, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Bildungseinrichtungen, Jugendzentrum und Quartiersgaragen geplant. Rund 75 Prozent der bisherigen Flächen bleiben für Landwirtschaft, Grünflächen, Gärten, Parks und begrünte Innenhöfe reserviert. Um einen Öko-Bauernhof ‚Agro-Hub‘ herum sollen kleinteilige Anbauflächen und Gartenland für die Bewohner der bestehenden und neuen Quartiere entstehen und auch neue Arbeitsplätze würden in den Quartieren entstehen.

Partizipation

Der kooperative Erarbeitungsprozess der Planungsteams fand im Dialog mit der Jury, Vertreterinnen der Stadt Frankfurt am Main sowie den Bürger:innen statt. Zu verschiedenen Zwischenständen wurden Jury und Bürgerschaft immer wieder beteiligt.
Auch nach der finalen Abgabe konnten die Bürger:innen vor der Entscheidung der Jury noch die Entwürfe diskutieren und Empfehlungen aussprechen. Nachdem der Beteiligungsprozess mit einer großen Informationsveranstaltung Fahrt aufgenommen hatte und im Februar 2020 auch ein erster Bürgerdialog erfolgreich durchgeführt worden war, kamen die Pandemie-bedingten Beschränkungen. Die Bürgerbeteiligung wurde jedoch nicht eingestellt, sondern den Umständen entsprechend angepasst.

In einer großen Informationsveranstaltung im November 2019 stellte das Prozessteam das Verfahren der vorbereitenden Untersuchungen sowie das Beteiligungskonzept vor und lieferte Hintergründe und Infos zu Sachthemen. Beim „Bürgerdialog I“ wurden drei Workshops zu städtebaulichen Themen wie „Leben mit und in der Landschaft / Urbane Quartiere“, „Lebendige und produktive Stadt“ und „Zukunftsfähige Mobilität“durchgeführt. Hier konnten die Bürger:innen Bürger Wünsche, Visionen und Ziele für das Planungsgebiet entwickelten.


Im „Bürgerdialog II“ wurden die Konzeptstudien vorgestellt. Im Mai 2020 sahen die Bürger:innen erstmals die ersten Entwürfe der Studien der sieben Planungsteams. Sie konnten überprüfen, was die Planer:innen aus Ihren Anregungen gemacht hatten und dies kommentieren. Auch diese Ergebnisse wurden an die Planungsteams weitergegeben, die im Anschluss ihre Arbeiten nochmals anpassten.

 

Pandemie-bedingt findet der „Bürgerdialog II“ digital über die städtische Online-Beteiligungsplattform „Frankfurt Fragt Mich“ statt. Über die Plattform findet ebenfalls ein Diskurs zwischen Mitarbeiter:innen des Stadtplanungsamtes und Bürger:innen statt. Eine Ausstellung im Foyer des Planungsdezernats mit der Möglichkeit, die Studien zu kommentieren, ergänzte das Beteiligungsangebot.

Beim „Bürgerdialog III“ stellten die Planer:innen die Arbeiten erneut der Öffentlichkeit vor. In digitalen Workshops diskutierten Bürger:innen mit den Planungsteams und Fachleuten aus dem Stadtplanungsamt jeweils eine der Studien. Auch Mitglieder der Fachjury waren beobachtend dabei. In der Hybridveranstaltung Bürgerforum: „Wie wir wohnen sollen: Neuer Stadtteil der Quartiere im Nordwesten konnten 30 angemeldete Bürger:innen dabei sein und mitdiskutieren. Andere Interessierte konnten die Diskussion live von Zuhause aus verfolgen und über die Chatfunktion Fragen stellen.

Wesentliche Akteur:innen

Stadtplanungsamt in Frankfurt am Main

 

  • Vertreter:innen aus beispielsweise der kommunalen Planung und Öffentlichkeitsarbeit

Sieben Stadtplanungsbüros in Zusammenarbeit mit Landschaftsplaner:innen erarbeiteten Ideen und Konzepte für den neuen Stadtteil

Das Consilium, ein Beratergremium, begleitete die vorbereitenden Untersuchungen fachlich. Nach Bedarf bestehe die Möglichkeit weitere Sachverständige hinzuziehen. Acht Fachexperten:innen vertreten unterschiedliche Disziplinen in:

  • Stadt – und Raumplanung,

  • Ökologie,

  • Landschaftsplanung,

  • Organisations- und Verfahrensoptimierung,

  • Wirtschaft und Sozialwissenschaften

Moderationen der Veranstaltung durch ein externes Büro

Die Bürgerbeteiligung bestehend aus Bürgerinnen und Bürger, Ortsbeiräten, Organisationen sowie Initiativen.

  • Brücke 71 – Leben in der Nordweststadt

  • Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V.

  • Heimatboden Frankfurt

Zeitstrahl

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Interviews

 

Die Auswertungen der Interviews beziehen sich auf drei Personen, davon zwei vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main und einem Bürger/einer Bürgerin aus der Bürgerinitiative Brücke 71.

| Effekte und Nebeneffekte von Beteiligung

  • Bürger:innen konnten durch allgemeine Ankündigungen über bestehende Webseite „Frankfurt fragt Mich“, Newsletter, Presse, Medien, Social Media (Facebook) und Plakataktionen in der Stadt zur Beteiligung animiert werden.

  • Die Teilnehmer:innenzahl wäre im Vorfeld schwer einzuschätzen gewesen, da es keine Erfahrungswerte dazu gegeben hätte – gerechnet wurde eher mit einer höheren Anzahl an Teilnehmer:innen.

  • Eine Eingrenzung der Teilnehmenden habe es nicht gegeben. Eine zu umfangreiche Teilnahme passiere nicht oft. Durch eine Eingrenzung mache man sich außerdem anfällig für Misstrauen.

  • Der Widerstand von Bürger:innen sei nicht zu vermeiden, sondern zu integrieren. Man muss versuchen, alle Menschen zu integrieren und zu Wort kommen lassen (unabhängige Moderation wäre hierbei wichtig).

  • Durch digitale Beteiligungsverfahren würde es nicht zu denselben Effekten wie durch analoge Verfahren kommen. Digitale Verfahren seien analogen Verfahren unterlegen.

  • Digitale Beteiligungsmethoden sollen Analoge im besten Falle nur ergänzen.

 

Aus Sicht eines Bürgers: „Fragen wurden während einer analogen Infoveranstaltung nicht ernst genommen, sondern abgewürgt. Stattdessen wurden wir vertröstet.“

 

| Beteiligungsmethoden digital und analog

  • Manche Leute verliere man durch digitale Beteiligung (ältere mit wenig technischen Kenntnissen), aber auch junge Leute würden nicht plötzlich Interesse bekommen, nur weil es im Internet stattfindet. Einige Personengruppen würden immer ausgeschlossen werden – egal ob analog oder digital.

  • In diesem Fall ergaben digitale und analoge Beteiligung unterschiedliche Ergebnisse, da pandemiebedingt die Vorbereitungszeit zu kurz ausfiel.

  • Ein Vorteil der digitalen Beteiligung war in Frankfurt, dass umfangreichere Themen dargestellt einfach werden konnten. Außerdem könnte man in Auswertungen durch Metanalyse-Tools schauen, wo Menschen die längste Zeit verbracht haben, wodurch man dann gezielt Menschen oder bestimmte Personengruppen ansprechen könne.

  • Die Nachteile der digitalen Beteiligung lagen wohl darin, dass man Personen mit wenig technischen Kenntnissen verloren hatte. Man wäre außerdem stark durch die Technik begrenzt gewesen, es entstanden hohe Kosten für die Planer*innen und es waren mehr Betreuer*innen/ Mitarbeiter*innen benötigt. Fehlendes Know-how und entsprechende Datenschutzgrundverordnung grenzten zusätzlich die Möglichkeiten ein. Auch der soziale Lernprozess war nicht mehr so gegeben. Allgemeine Fragen konnten nicht so umfangreich wie in einer analogen Veranstaltung geklärt werden.

 

| Social Media – Chancen und Risiken

  • Social Media wurde größtenteils nur genutzt, um Werbungen und Ankündigungen zu machen.

  • Von Bürger*innen wurde die Kommentarfunktion auf Facebook genutzt, wo es des Öfteren zu Diskussionen kam. Für manche Personengruppen ist Social Media – insbesondere Facebook – fremd.

  • Neue Personengruppen wurden durch Social Media nicht erreicht. Es wäre eher sinnvoll, diese durch aufsuchende Beteiligung, z.B. auf der Straße durch direktes Ansprechen, zu integrieren.

  • Das Informieren durch Social Media führe oft zu Missverständnissen, aber Fake News gab es in diesem Fall wohl nicht.

 

Aus Sicht eines Bürgers: „Kinder haben sich nicht beteiligt und auch junge Leute waren trotz Social Media wenig vorzufinden. Die Methoden waren nicht ansprechend für Kinder.“

 

| Digitale Beteiligungstools

  • Im Rahmen der digitalen Beteiligung wurde der dritte Bürgerdialog online durchgeführt. Dort wurden die sieben Entwürfe der Teams vorgestellt und anschließend in Kleingruppen (in Split Rooms) diskutiert. Im Anschluss wurden der Jury Vorschläge zu den Entwürfen abgegeben und es gab eine allgemeine Diskussion (Podiumsdiskussion). Das Ganze wäre einem World Café/ Gallery Walk zuzuordnen. Zusätzlich konnte man auf der Plattform „Frankfurt fragt Mich“ Kommentare zu den sieben Entwürfen abgeben.

  • Die Beteiligungsmethoden wurden ausgewählt, nachdem die Zielsetzungen klar waren.

  • Die digitalen Beteiligungstools wurden durch externe Technikmoderator:innen, Inhaltsmoderator:innen, Vertreter:innen des Planungsteams und Jurymitglieder betreut. Im Hintergrund musste außerdem noch die Technik überwacht werden. Nicht geschultes Personal bekam zuvor eine Einführung.

  • Auf Social Media kam es oft zu Copy-Paste-Antworten, da viele Menschen nicht mit der Informationsfülle klarkamen. Auch Internetprobleme führten zu Schwierigkeiten.

Aus Sicht eines Bürgers: „Es ist sinnvoll eine schon vorhandene Plattform zu nutzen. Jedoch konnte man nur Kommentare zur Gestaltung der Entwürfe abgeben und keine allgemeinen Fragen stellen.“

 

| Wie kann Beteiligung inklusiver gestaltet werden?

  • Für viele Menschen sei der Schritt ins Digitale eine größere Barriere als ein Ortswechsel. So kam es zu einer Beteiligung, die nicht sehr inklusiv war. Jedoch wurden Technikmoderator:innen als Ansprechpartner:innen bei technischen Problemen rund um die Uhr per Telefon oder Chat zur Verfügung gestellt.

  • Um die Beteiligung inklusiver zu gestalten, wurden Informationen zum Stadterweiterungsprojektes im Stadtplanungsamt ausgestellt. Hier gab es die Möglichkeit, Kommentare in den Briefkasten zu werfen (wurde jedoch wenig genutzt). Außerdem wurde versucht, die Plattform übersichtlich zu gestalten und durch eine leichte Sprache barrierefreier zu machen.

  • Eine zielgruppenspezifische Auswahl der Beteiligungsmethoden würde wohl zu einer inklusiveren Beteiligung führen.

  • Ausgewertet wurden die Ergebnisse nur bezüglich Betroffenheit oder allgemeinem/ eigenem Interesse.

| Wünsche für zukünftige Beteiligungsverfahren

  • Es soll viel früher beteiligt werden und die Information soll großräumiger ablaufen.

  • Zeitige Planungsmöglichkeit und dass nicht alles „plötzlich“ kommt.

  • Geschultes Personal wäre von Vorteil gewesen.

  • Digitale Verfahren sollen nicht unter die Standards und das Wissen der analogen Verfahren zurückfallen.

  • Keine 1:1-Übersetzung von analogen Methoden ins Digitale.

  • Digitale Beteiligung soll so gestaltet werden, dass sie Spaß macht und zum Mitmachen anregt.

  • Bürger*innenbeteiligung sollte eine Routine Aufgabe werden, damit man dazulernen und was verändern kann.

Schlussfolgerung

Nach den von uns durchgeführten Interviews und der Auswertung dieser kamen wir zu der Feststellung, dass keine neuen Interessent:innen durch die digitale Beteiligung dazugekommen sind – so werden jüngere Menschen nicht plötzlich zu Interessent:innen, nur weil die Beteiligung im Internet stattfindet. Um möglichst viele verschiedene Menschen zu erreichen, sollte man die Werbung an die Zielgruppe anpassen, denn es gibt nicht „die eine Öffentlichkeit“, welche man erreichen kann. Die Beteiligung sollte spielerisch und abwechslungsreich gestaltet werden, um Leute zu erreichen und anzusprechen. Im Analogen besteht die Möglichkeit, während Präsenzveranstaltungen allgemeine Fragen zu stellen. Dies sollte auch im digitalen Bereich gegeben sein – z.B. durch einen eigenen Reiter auf der Beteiligungsplattform. Außerdem wäre eine externe, unabhängige Moderation sowohl während der digitalen wie auch der analogen Beteiligung wichtig. Zur Qualitätsverbesserung und Ermittlung der Interessen der Teilnehmer:innen könnte man Metaanalyse-Tools auf der Beteiligungsplattform einsetzen.

Quellen:

Stadtplanungsamt Frankfurt am Main (2021). Frankfurt Nordwest – Neuer Stadtteil der Quartiere. Online abrufbar unter: https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/frankfurt_nordwest_neuer_stadtteil_der_quartiere_18798.html [Stand 03.06.2021,]

Stadt Frankfurt am Main Dezernat Planen und Wohnen Stadtplanungsamt, November 2019, Neuer Stadtteil der Quartiere 1. Sonderausgabe

Stadt Frankfurt am Main Dezernat Planen und Wohnen Stadtplanungsamt, Februar 2020, Neuer Stadtteil der Quartiere 2. Sonderausgabe

Stadt Frankfurt am Main Dezernat Planen und Wohnen Stadtplanungsamt, Februar 2021, Neuer Stadtteil der Quartiere 3. Sonderausgabe